Tirols höchster Wasserfall als Quelle künstlerischer Inspiration

Den Stuibenfall muss man gesehen haben. Seine tosenden Wasser, die Schleier aus Sprühnebel, die markanten Felsstufen faszinieren. Sie sind Inbegriff von Naturgewalt – aber auch von Naturschönheit. Seit rund 200 Jahren begeistert das Naturdenkmal Wanderer und Schaulustige. Die Künstler unter ihnen versuchen seither, ihr Staunen über den Stuibenfall, seine Kraft und Schönheit individuell in Farben festzuhalten.

Ein Wasserfall und seine Millionen Bilder

Der Stuibenfall ist ein Besuchermagnet und zählt zu den häufigsten Fotomotiven im Ötztal. Das ist nicht neu: Seit über 200 Jahren inspiriert seine staubende Naturgewalt Menschen dazu, ihn künstlerisch zu bändigen. Hunderte Werke widmen sich als Bleistiftzeichnung, Aquarell oder Ölgemälde seiner Schönheit – und doch sind keine zwei Darstellungen gleich. Denn so veränderlich sich der Wasserfall zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten präsentiert, so vielseitig sind seine künstlerischen Portraits. Der Niederthaier Chronist Walter Falkner ist Stuibenfall-Liebhaber und sehr kunstinteressiert. Er stellt die schönsten Darstellungen in seinem Buch „Der Stuibenfall. Kleine Kulturgeschichte eines Naturdenkmals“ vor.

Zeitreise zum Stuibenfall: Die schönsten Gemälde im Turmmuseum

Alle Bilder copyright Ötztaler Museen

Stuibenfall-Kaleidoskop im Turmmuseum

Ausgehend von Falkners Buch zeigt das Turmmuseum in Oetz aktuell die herausragendsten und interessantesten Darstellungen des Stuibenfalls in einer eigenen Ausstellung. Über die Jahrzehnte haben sich die Perspektiven und die Stile gewandelt, im Kern vereint diese Kunstwerke aber doch das große Staunen über das imposante Naturschauspiel.

Spannungsfeld Natur und Tourismus

Die Ausstellung geht allerdings weiter und greift aktuelle, brennende Fragen auf: Soll und darf die Natur etwa in Form von Wasserkraft uneingeschränkt für Elektrizität genutzt werden? Durch eine Stahltreppe ist der Stuibenfall seit 2016 für große Besuchermengen sicher und gut erreichbar. Ein Unfall drei Jahre zuvor hatte zur Entscheidung geführt, diese solide bauliche Maßnahme zu wählen. Doch das Ergebnis sorgte von Anfang an für große Kritik: Die Stahltreppe stelle den Wasserfall selbst in den Schatten, die Umsetzung der Treppe sei nicht ästhetisch und zerstöre das Naturdenkmal. Fragen um die Nutzung der Natur sind so noch aktueller geworden: Was sollte im Rahmen der Vermarktung von Natur erlaubt sein? Wo beginnen Eingriffe, die Naturdenkmäler zu verformen oder gar zu zerstören? Wo sind die Grenzen der Verbauung und des Zugänglich-Machens? Diese Fragen werden im Ötztal – nicht nur am Beispiel des Stuibenfalls - seit Jahren intensiv diskutiert.

Naturdenkmal mit Mehrwert

Heute pilgern mehr Menschen den je zuvor zum Stuibenfall und bestaunen ihn – von der Stahltreppe aus, aber auch vom nebenan vorbei führenden Klettersteig oder von der Plattform oberhalb des Wasserfalls aus. Für die meisten Besucher sind diese Angebote eine großartige Möglichkeit, den Stuibenfall aus nächster Nähe zu erleben. Für viele Menschen, die den Wasserfall sonst nur aus der Entfernung bestaunen könnten, ist seine tosende Mächtigkeit nun unmittelbar und kostenlos zugänglich. Auch das ist ein hoher Wert in unserer Gesellschaft.

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Der Stuibenfall in der zeitgenössischen Kunst

Was sich wohl die Maler heute denken würden, die das imposante Naturdenkmal inmitten der lieblichen Waldlandschaft einst mit so viel Hingabe auf einer Leinwand festhielten? Die Obergurgler Künstlerin Hannah Philomena Scheiber ist die erste Malerin, die die Stahltreppe in einem Stuibenfall-Gemälde abbildet. Die Elemente Wasser und Stahl stehen sich hier nicht nur gegenüber, sondern die Treppe scheint das Naturdenkmal in den Hintergrund zu drängen. Statement zur Architektur oder ein Abbild der Diskussion? Hannah Philomena Scheiber plädiert jedenfalls für mehr Augenmerk auf Ästhetik und Demut bei der Gestaltung dessen, was wir nachfolgenden Generationen hinterlassen.

Das Turmmuseum Oetz

Quasi am Eingang des Tals stellt das Turmmuseum Aus- und Einsichten zur Region vor: Ötztal-Bilder als Fremd- und Selbstbilder im Wandel der Zeit und in den Augen wechselnder Betrachter. Stets geht es um Perspektivisches: Wie stellt sich das Ötztal dar, wie wird es gesehen? Wie können wir uns dem Wesen, dem Eigentlichen des Tals und seiner Bewohnerschaft nähern?

 

Autor

Edith Hessenberger

Die Ethnologin und Geografin leitet die Ötztaler Museen. Sie forscht und publiziert zudem als freie Kulturwissenschaftlerin zur Geschichte der Berglandwirtschaft, des Tourismus und des Alpinismus. Erzählforschung und Oral History sind weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit.