Nachhaltig genießen & entspannen

Auf den Berg gehen, aber trotzdem runterkommen? Das klappt mit den „Genussplatzlen“, einem Zusammenschluss von Hütten, denen Regionalität am Herzen liegt. Im Fokus steht authentische Küche in spektakulärer Lage. Lärm, Musik oder WLAN gibt‘s nicht, dafür Geschmack in der Höhe.

„Regionalität muss man leben!“

Erlanger Hütte

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„Schon als wir im Sommer 2008 die Hütte des Deutschen Alpenvereins übernahmen, habe ich von den umliegenden Bauern gekauft, weil die Qualität höher ist.“ Damit unterstützt Christian Rimml, der die Erlanger Hütte mit seiner Frau Anita betreibt, gleichzeitig die lokalen Landwirte. Lammfleisch kauft er von seinem Schwager in St. Leonhard im Pitztal, Rindfleisch von seiner Schwester, Eier aus dem Kaunertal. Vor der Hütte wachsen Kräuter: Minze, Rosmarin, Thymian, Schnittlauch, Petersilie. Christian arbeitete als gelernter Koch in vier Sternehotels. Seine Spezialität ist Wild: Steinbock-Ragout mit Rotkraut und Spätzle. Als vegane Alternative bereitet er Gemüse-Gröstl mit Grünkernen und Sesam. „Wir wollen keine Speisekarte mit 15 Gerichten haben“, sagt Christian. „Dann ist es nicht möglich, regional zu kochen. Stattdessen erneuern wir die Karte zweimal in der Saison.“

Regionale Köstlichkeiten aus frischen Zutaten zu zaubern, ist kein einfaches Unterfangen im hochalpinen Gelände, auf 2.550 m Höhe, wo die Hütte auf einem kahlen Felsen thront: „Fast alles muss im Hubschrauber transportiert werden.“ Trotzdem kalkuliert Christian die Preise so, dass es für die Bergwanderer bezahlbar ist. Türkisfarben schimmert der Wettersee hinter der Hütte: „Wir haben ein eigenes Wasserkraftwerk, mit dem wir Strom erzeugen, die Getränkekühlanlage betreiben und das Trinkwasser aufbereiten.“ Natürlich ist die Hütte plastikfrei. Das garantiert seit 2000 das Umweltgütesiegel für Alpenvereinshütten. Gern erklärt das Hüttenwirtspaar den Gästen, woher die Zutaten kommen und warum die Preise sind, wie sie sind: „Regionalität muss man leben.“

Info Erlanger Hütte

  • Höhe: 2.550 Meter
  • Gemeinde: Umhausen
  • Erreichbarkeit: 8 Zugangswege; der kürzeste führt über die Leierstalalm in ca. 2,5 Stunden; Anfahrt mit Hüttentaxi
  • Schlafplätze: 48; Hüttenschlafsäcke müssen mitgebracht werden
„Bei uns macht Nachhaltigkeit Spaß!“

Wiesle Alm

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„Zen bussen & fein tunkn“ hat sich das Wiesle aufs Banner geschrieben – „zum Küssen und Genießen“. Eine Kombination, die auf den ersten Blick überzeugt. Wie im Märchen taucht auf einer Lichtung die verwunschene Holzhütte auf, daneben leuchtet strahlend weiß die kleine Herz-Jesu-Kapelle. Hänsel und Gretel biegen zwar nicht um die Ecke, dafür können die Gäste bei Glück ein Reh oder einen Fuchs sichten. „Ich achte darauf, die Produkte, so gut es geht, aus der Nähe zu beziehen“, sagt Fabio Riml, der mit seiner Partnerin Michaela die Hütte bewirtschaftet: „Als gelernter Koch sehe und fühle ich regionale Produkte.“ Das Speiseangebot richtet sich nach der Saison. Im Herbst stehen Schwammerln auf der Karte, wie in Österreich Pilze heißen.

Fabio verwertet das Fleisch eigener Tiere, bezieht aber auch Spezialitäten vom Metzger: „Wenn er Kalbsnieren im Angebot hat, plane ich ein Gericht und setze es auf die Tageskarte. Damit ist gleich drei Menschen geholfen: dem Bauern, dem Metzger und mir. Und dem vierten, dem Gast, gefällt es auch.“ Als Wiesle-Spezialitäten nennt Fabio neben Lammgerichten grüne, nicht geräucherte Würstel, frisch gekochte Schweinswurst mit selbstgemachtem Sauerkraut in alten Holzfässern und Tiroler Schneemilch. Nicht eine Sekunde habe er überlegen müssen, ob er sich dem Projekt der „Genussplatzlen“ anschließt: „Der Verbraucher hört beim Thema Nachhaltigkeit nur von Verboten. Ich sehe die Möglichkeit, ein Bewusstsein zu schaffen, zu sensibilisieren. Ich bin der Meinung, dass man Nachhaltigkeit auch genießen kann, dass sie Spaß machen darf.

Info Jausenstation Wiesle

  • Höhe: 1.528 Meter
  • Gemeinde: Längenfeld
  • Erreichbarkeit: Von Au/Nösslachkapelle, Gehzeit 1 ¼ h, etwas steiler, von Niederthai (barrierefrei), Gehzeit ca. 1 h, von Umhausen Richtung Niederthai bis Panorama-Parkplatz, leicht, Gehzeit ca. 1 h
  • Schlafplätze: keine
„Auf den Teller kommt, was wir gerade haben!“

Armelen Hütte

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Auf einem Brett ist die Tageskarte auf Papier geklemmt. Darauf wird erklärt, woher die Produkte kommen. Dichter Wald umgibt die rustikale Holzhütte, die 800 Meter fast senkrecht über dem Talboden, oberhalb des Weilers Tumpen, liegt. Schroff fällt die Felswand ab, weit öffnet sich der Blick ins Tal. Eine Hütte mit Tradition, die seit über 90 Jahren ihre Geschichte erzählt und seit 2018 ihre Fortsetzung in Anton und Viktoria Plattner findet. Auf dem Bauernhof hält die Familie Kühe, Schweine und 50 Hühner – freilaufend, versteht sich. Falls die Eier mal nicht reichen, liefert der Grießer Hof zu, zusammen mit Joghurt, Frischkäse und Kartoffeln. Auch beim Wild werden keine Kompromisse gemacht – die beiden Hüttenwirte sind Jäger und erlegen es selbst.

Fantasievoll sind die Salate mit Kräutern und bunten, essbaren Blumenblüten bestreut. Nicht weniger kreativ werden Viktorias Strudelvariationen bereitet – Zwetschge-Walnuss, Birnen-Nougat oder Moosbeeren-Topfen. Und wo findet man heutzutage noch Griebenschmalz? „Wir holen es von einem Metzger in der Region“, verrät Viktoria. Bei den „Genussplatzlen“ fühlen sich die Almwirte gut aufgehoben: „Auf den Teller kommt, was wir gerade haben. Früher bot jede Hütte Toast Hawaii, Kebab und Döner an, heute bevorzugen die Gäste Tiroler Schmankerln.“ Erstaunlich, dass die Armelen Hütte Burger als Spezialität anführt: „Das Rindfleisch kommt vom eigenen Bauernhof. Nur der Name ist amerikanisch, das Produkt aber grundehrlich von hier.“

Info Almhütte Armelen

  • Höhe: 1.747 Meter
  • Gemeinde: Oetz
  • Erreichbarkeit: Von Tumpen über Forstweg, Gehzeit ca. 2 h, von Habichen oder Piburger See, Gehzeit ca. 3 h
  • Schlafplätze: 14 Betten
„Die Ötztaler Rezepte stammen von der Schwiegermama!“

Brand Alm

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An ihr führt kein Weg vorbei. Weithin sichtbar liegt die Brand Alm auf einem Sonnenplateau 200 m hoch über Längenfeld. Ganz vorn am Hang steht die kleine Kapelle immer offen, dahinter laden Matthias und Felicitas Jordan in die Jausenstation ein. Zwischen 300 und 400 Jahre alt soll sie sein, die Gaststube etwa 100 Jahre. Nichts hat Matthias daran geändert, nur eine Heizung ist dazu gekommen, schön versteckt unter den Bänken. Als stimmiges Gesamtbild wurde auch die Außenfassade des Stallgebäudes so belassen. Der Mini-Streichelzoo mit Ziegen, Hasen, Mini-Hängebauchschweinen, Ponys und manchmal Lämmern hält Kinder beschäftigt. Von ihrer Schwiegermama hat die Schwäbin Felicitas Ötztaler Rezepte übernommen.

„Der Renner ist unser Lamm-Gröstl mit Spiegelei. Alles wird frisch zubereitet. Die Lämmer dürfen dafür nicht älter als sechs Monate sein.“ Da das Fleisch älterer Schafe eigentlich nichts mehr wert ist, haben sich die Almbewohner etwas einfallen lassen: „Um das Fleisch älterer Schafe aufzuwerten, veredeln wir es, indem wir Trockenfleisch daraus machen. Mit ein bisschen Griebenschmalz servieren wir es wie ein Speckbrot. Aber wir haben auch Suppen ohne Ende und zahlreiche, hausgemachte Säfte.“ Teil der „Genussplatzlen“ zu sein, findet er  großartig: „Wir sind selber Bauern. Damit unterstützt man auch die umliegenden. Alles wird näher herangeholt.“ Für Menschen mit Höhenangst empfiehlt es sich, vor dem Rückweg einen selbstgebrannten Zirbenschnaps oder einen Vogelbeerlikör zu trinken. Dann lässt sich die spektakuläre Hängebrücke, die sich 83 Meter lang und 200 Meter hoch über den Talboden spannt, viel leichter überqueren.

Info Brand Alm

  • Höhe: 1.385 Meter
  • Gemeinde: Längenfeld
  • Erreichbarkeit: Von der Fischbach-Brücke in Längenfeld, Gehzeit ca. 45 min; begehbar mit Kinderwagen
  • Schlafplätze: 2 BrandAlm Appartements

Die Genussplatzlen bleiben in Bewegung. Immer mehr Betriebe setzen auf das, was direkt aus dem Tal kommt: regionale Produkte, ehrliche Küche und echte Ötztaler Gastfreundschaft. Dieser Artikel ist 2024 erschienen – alle aktuellen Genussplatzlen und ihre Geschichten findest du hier.

Dieser Artikel erschien ursprünglich 2024 und wurde am 24.06.2026 aktualisiert.

Autor

Dagmar Gehm

Die Hamburger Journalistin und sportliche Globetrotterin ist langjähriger Fan des Ötztals, weil sie sich der Faszination der Kontraste nicht entziehen kann: Action - Abgeschiedenheit, Rausch der Geschwindigkeit - Relaxen in der Ruhe, uralte Rituale - trendige Hotspots.