Jakob Prantl

„Es wird sich zum Guten ändern“

Jakob Prantl (59) ist Alm- und Landwirt mit großem Herz und eigenem Kopf. Seine Hütte, die Gampe Thaya, liegt auf 2.000 Metern hoch über Sölden. Hier bekommt man kein schnelles Essen, wird nicht laut beschallt. Auf der Gampe soll man sich Zeit nehmen – für seinen Banknachbarn, für den Blick in die Dreitausender und für die Speisen auf dem Teller. Die Zutaten für die Almküche stammen aus dem Tal oder von Jakobs geliebtem Tiroler Grauvieh, das vor der Gampe grast und ihm die Milch für seinen Käse liefert.

„Ich sitze in der Sonne auf der Gampe, schaue mir die Natur an und mache mir Gedanken über die Zukunft. Ich bin sehr positiv eingestellt. Ich bin überzeugt, dass es nicht so weiter geht wie bisher und das ist auch gut und wichtig so. Wir müssen sehen, dass weniger mehr ist – ganz einfach. Eine Kuh mit 6 Metern ist zu lang. Wir bringen sie nicht mehr aus dem Stall raus, wenn wir Hunger haben.

 

Jakob Prantl

Meine Mutter wird im Sommer 95 Jahre alt. Sie geht noch fünf Kilometer am Tag spazieren. Sie hat schon viel miterlebt und viel überstanden, aber wenn ich nicht jeden Tag einen Kaffee mit ihr trinken kommen dürfte, dann würde sie krank werden. Das Miteinander nährt uns wie Lebensmittel. Die Qualität ist bei beiden grundlegend. Wir haben drei Kinder und zwei Enkelkinder. Wir arbeiten zusammen, aber nun genießen wir die Zeit beim Mittagsessen sehr bewusst. Wir haben auch keinem Mitarbeiter gekündigt. Ich weiß, das kommt wieder zurück.

Jakob Prantl

Vor 25 Jahren hat man zu mir gesagt, das geht nicht auf, wie du die Gampe Thaya führst. Keine Pommes und keine Cola. Aber ich bin immer noch da. Ich habe sehr viel von unseren Kindern gelernt. Der Herrgott hat es zugelassen, dass man mich auch belehren kann. Zuvor, als wir im Hotel gearbeitet haben, da kam der Vorwurf von den Kindern, wir hätten zu wenig Zeit für sie. Heute sind die beiden Töchter auf der Gampe, der Sohn in der Landwirtschaft, die Enkelkinder sind auch da. Wir sind eine florierende Familie – und damit meine ich nicht das Geld.
 

Jakob Prantl
Jakob Prantl
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Auf der Gampe haben wir einen Ruhetag in der Woche, was viele nicht verstehen. Aber der ist wichtig. Im Tal investieren wir gerade viel Geld in unseren alten Hof für das Tier- und Menschenwohl. Natürlich kann ich 40 Stück Vieh haben, aber ist das gut für den Kreislauf? Wir haben um die 25 und werden runterfahren auf circa 20 Stück mit der Nachzucht. Eine Kuh muss 10.000 Liter Milch geben? Meine gibt 5.000, und ich lebe auch. Unser Junior war 2015 in Nepal, als es das schwere Erdbeben gab und es hat ihn sehr in seiner Lebenseinstellung geprägt. Jede Krise ist eine Chance. Wir machen uns Gedanken, aber keine Sorgen. Gedanken, wie weniger mehr sein kann. Wir müssen aufpassen, dass wir den Freiraum im Ötztal bewahren und wir Zeit für uns und unser Umfeld haben.”

“Es wird sich zum Guten ändern. So genieße ich die Tage. Aber ich freue mich auf den Sommer. Auf den Gang mit meinen Kühen auf die Gampe. Die Einheimischen werden sich auch freuen, wenn sie wieder die Glocken hören. Aktuell ist es so still. Mit dem Glockenklang werden sie das Leben wieder spüren.“

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