Wandern für die Sinne: Der Besinnungsweg in der Almenregion Hochoetz im Tiroler Ötztal

Oben sein. In den Lungen dehnt sich reine Luft, verdrängt alles Schwere, schafft Platz für ein wunderbares Gefühl: Lebenslust. Warum dieses Gefühl nicht gleich mit den richtigen Gedanken verquicken? Schüler der Hauptschule Oetz haben in einer Projektarbeit gemeinsam mit Pädagogen in unserer beeindruckenden Almenregion einen Wanderweg der Besinnung errichtet. Von der Bergstation aus führt dieser Rundgang an der neuen Bielefelder Hütte vorbei zur alten Bielefelder Hütte (verfallen), von dort weiter zur Acherbergalm und wieder zurück zur Acherkogelbahn. Acht Stationen der inneren Einkehr und besinnliche Gedanken der Schüler begleiten den Wanderer auf seinem erlebnisreichen Weg. Die Broschüre mit der Beschreibung der Stationen und  den passenden Texten erhalten Sie kostenlos an der Talstation.

Der Besinnungsweg in der Almenregion Hochoetz - Broschüre (pdf)

Die Stationen des wanderbaren Besinnungsweges im Tiroler Ötztal:
 
1. Betonplatte „Alpha und Omega“
2. Metallskulptur „Wegweiserwirrwarr“
3. Metallskulptur „Herz mit Stein“
4. Kletterweg mit Verkehrsschild „Sackgasse“
5. Metallskulptur „Zielfernrohr & Kreuz“
6. Steinkreis „Gemeinschaft“
7. Holzbank „Weitblick“
8. Holzskulptur „Verbunden“

Mit allen Sinnen wandern. Der Besinnungsweg im Tiroler Ötztal:

Station 1: Miteinander unterWEGs sein

Ich träume von einer Welt,
        in der Menschen miteinander gehen.

Ich träume von einer Zeit,
        in der keiner den anderen bekämpft,
        weil alle in dieselbe Richtung blicken.
        Von einer Welt, die Platz für alle hat.

Ich träume von einer Welt,
        in der das Teilen mehr gilt als das Haben.
        Von einer Zeit,
        in der jeder seine Chance hat,
        weil keiner da ist,
        der sie ihm neidet.

Ich träume von einer Welt,
        in der keiner allein ist, wenn er weint.
        Von einer Zeit,
        in der die Zeitungen nichts mehr vom
        Unglück zu sagen wissen,
        weil das Miteinander interessanter
        geworden ist als der Konflikt.

Ich träume von einer neuen Welt,
        ich kann sie nicht bauen,
        aber den ersten Schritt kann ICH tun.

Viele Schritte gehen - unbewusst.
Miteinander ist Vieles einfach leichter.
Wenn wir Schritt für Schritt vorwärts gehen,
nichts überstürzen,
dann spüren wir,
dass Gott bei jedem Schritt mit uns ist.
(Jaqueline und Christoph)

Station 2. WEGweiser in unserem Leben

Wohin verläuft mein Lebensweg?
Hat mein Weg ein Ziel?
Weiß ich, für welchen Weg ich mich
entscheiden soll?

Wir haben schon oft Entschlüsse gefasst,
die unser Leben in eine Richtung gelenkt
haben.

Manchmal stehen wir vor einem Wirrwarr
an Wegweisern und wissen nicht,
wie wir uns entscheiden sollen.
Da braucht es Mut und Vertrauen,
einen Weg auszuwählen.

Nicht immer ist der bequemste Weg auch
der richtige. Wenn ich nicht allein wandern
muss, wenn ich Weggefährten habe, ist das
Weiterkommen oft leichter.

Nur stellen sich auch die Fragen:
Stehe ich jemandem im Weg?
Wer gibt das Tempo an?

Lass dir Zeit, wenn du eine Entscheidung
treffen sollst. Lass dich nicht allzu sehr von
anderen beeinflussen. Gute Freunde werden
immer zu dir helfen, egal für welchen Weg
du dich entscheidest.
(Nadine und Sabrina)

Gott, du bist es, der Entscheidungen trifft!
Egal, ob gute oder schlechte.
(Gabriel)

Station 3: Im WEG sein

Mensch sein heißt: unterwegs sein.

Manchmal wissen wir genau,
welchen Weg wir gehen wollen,
aber Hindernisse stehen uns im Weg:
Unsere eigene Bequemlichkeit,
Misstrauen und Neid oder
unsere pessimistische Denkweise.

Die Steine,
die uns am Weiterkommen hindern,
scheinen haushoch und unüberwindbar.

Es lohnt sich bestimmt,
mit Beharrlichkeit die Steine
aus dem Weg zu räumen
und unser Herz freizumachen
auf dem Weg zu uns selbst.
 
Wir wollen nicht alleine
und in Not und Sorge durchs Leben gehen.
Jeder Mensch braucht Zuwendung,
Liebe und Geborgenheit.
Durch Brücken zueinander
wird unser Lebensweg leichter.
(Nici und Barbara)

Station 4. Irr WEGe in unserem Leben

Immer wieder
machen wir uns auf

Nicht immer
sind wir auf dem richtigen Weg.

Wir müssen uns auch Fehler eingestehen,
und Irrwege führen uns an kein Ziel.

Wer nicht den Mut hat, auch einmal
eine Wegkorrektur vorzunehmen
oder ein Stück zurückzugehen,
um die Richtung wiederzufinden,
bkeibt auf dem falschen Weg.

Wenn wir uns zeit lassen
und in uns hineinhorchen,
werden wir spüren, ob unser Weg passt.

Es ist so schwer,
Irrwege zu meiden
oder sie zu verlassen.

Erst Erfahrungen durch Randsituationen
geben dem Menschen
Sensibilität für sein Handeln
(Sabine)

Station 5: Nicht auf Ab-WEGe geraten

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren heißt:
auf dem richtigen Weg bleiben.
Es ist beruhigend für uns, wenn wir unser
Ziel, auf das wir zugehen wollen, nicht vergessen:

Drei Bauarbeiter waren dabei, Steine zu
behauen, als ein Fremder zu ihnen trat und
den ersten Arbeiter fragte: „Was tun Sie da?"
- „Sehen Sie das denn nicht?", meinte der und
sah nicht einmal auf. „Ich behaue Steine!"

„Und was tun Sie da?", fragte der Fremde
den zweiten. Seufzend antwortete der:
„Ich muss Geld verdienen, um für meine
Familie Brot zu beschaffen.
Meine Familie ist groß."

Der Fremde fragte auch den dritten:
„Was tun Sie da?"
Dieser blickte hinauf in die Höhe und
antwortete leise und stolz:
„Ich baue einen Dom!"
 
Oft strengen wir uns für ein bestimmtes
Ziel sehr an. Dabei vergessen wir aber,
uns um unsere Mitmenschen zu kümmern.
Es ist gut, ein Ziel vor Augen zu haben,
trotzdem sollten wir uns vom Weg der
Mitmenschlichkeit nicht abbringen lassen!
(Tatjana und Stefanie)

Station 6. Be-WEGt sein

Wandern
Ist ein ständiges Aufnehmen
und wieder Loslassen.
Man geht an so vielem vorbei;
vorbei an Bäumen und Blumen,
vorbei an schönen Steinen und
gewaltigen Felsen.

Du kannst nichts mitnehmen;
nur die Bilder der Errinerung.
Staunen über die Schönheit der Natur
Ist eine Art Gebet.

Die Großartigkeit der
Schöpfung Gottes erkennen und
die Gewalten der Natur nicht unterschätzen.
Der mensch wird ganz klein
an so einem Ort.
Wir wollen hier gemeinsam staunen
und so Gemeinschaft erleben.
 
Hallo, Mister Gott, wir sind Maria und
Lisa Marie, aber das müssen wir dir
wahrscheinlich nicht sagen, da du uns ja
sowieso siehst. Wir möchten mit dir gerne
über „gemeinsames Staunen" reden.

Immer, wnn jemand traurig ist, sollte er
mit offenen Augen durch die Natur gehen,
und er wir erstaunt sein, was du
geschaffen hast. Wenn wir einen Gipfel
errungen haben, staunen wir immer wieder
über die weite und tolle Aussicht. Danke
fürs Zuhören.
(Maria und Lisa Marie)

Station 7: Weit WEG - Weitblicke

Lasst uns hier niedersitzen,
wo wir keine Straße und keinen Zaun sehen.
Blicken wir in die Weite hinaus und
fühlen wir uns grenzenlos.

In die Ferne blicken,
nicht eingeengt sein, das tut gut.
Unsere Grenzen und Einschränkungen
lassen wir hinter uns und
genießen die Freiheit des Augenblickes.

Es tut gut, miteinander nach
vorne zu schauen in die gleiche Richtung,
das ist manchmal wichtiger,
als sich anzusehen.

Sich Zeit zu nehmen,
gute Gedanken aufkommen zu lassen,
ein Gebet zum Himmel schicken oder
einfach still zu werden,
dazu soll dieser Ort helfen.
 
Sich Zeit nehmen und Raum schaffen,
davon reden viele Erwachsene.
Aber genügt einfaches Reden?
Nur mit viel Weitblick zwischen den
Generationen kann sich jeder Einzelne
in seine Lebensphase entfalten
und gute Wege einhalten.
(Nina und Vroni)

Station 8: Einander WEG-Begleiter sein

Ein Mann hatte eines Nachts einen Traum.
Er träumte, dass er mit Gott am Strand
entlang spazieren ging. Am Himmel zogen
Szenen aus seinem Leben vorbei und für jede
Szene waren Spuren im Sand zu sehen.
Als er auf die Fußspuren im Sand zurück-
blickte, sah er, dass manchmal nur eine Spur
da war. Deshalb fragte er den Herrn:
„herr, ich habe bemerkt, dass zu den
traurigsten Zeiten meines Lebens nur eine
Fußspur zu sehen ist. Du hast aber
versprochen, stets bei mir zu sein.
Ich verstehe nicht, warum du mich da,
wo ich dich am nötigsten brauchte, allein
gelassen hast."

Da antwortete ihm der Herr:
„Mein liebes teures Kind. Ich liebe dich und
würde dich niemals verlassen. In den Tagen,
wo du am meisten gelitten hast und mich am
nötigsten brauchtest, da, wo du nur eine
Fußspur siehst, das war an den Tagen,
wo ich dich getragen habe."
 
Einander begleiten und nicht im Weg
stehen bedeutet: keine Nörgeleien, kein
ständiges Besserwissen, kein dauerndes
Kritisieren.
Einander begleiten bedeutet: vertrauen,
verschenken, verzeihen.
(Patrick und Marco)



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